| Wundervolle Explosionen |
Die massenreichsten Sterne des Universums
beenden ihre Lebenszeit mit einer gewaltigen
Explosion, einer sogenannten Supernova, und sind
über intergalaktische hinweg Entfernungen
sichtbar. Die Mechanismen dieser Explosionen
sind viel komplexer als bisher angenommen.
Beobachtungen am Calar-Alto-Sternwarte enthüllen eine der Facetten dieses komplexen
Phänomens: die asphärische Expansion der
Explosionen.
"Neue Sterne": Sichtbares und unsichtbares Licht
Supernovae wurden über mehrere Jahrzehnte hinweg wissenschaftlich untersucht, indem immer nur Daten aus dem sichtbaren Spektralbereich analysiert wurden. Neueste Fortschritte der Technologie im Bereich der Astronomie ermöglichen nun die Auswertung von Daten der Sternstrahlung außerhalb des sichtbaren elektromagnetischen Frequenzbandes. Mit Weltraumteleskopen ist es nun gelungen Beobachtungen im X- und Gammastrahlenbereich durchzuführen. Zum Beispiel kann Gammastrahlung nur im Weltall außerhalb der Erdatmosphäre empfangen werden. Javier Gorosabel vom "Instituto de Astrofísica de Andalucía " ist Mitglied eines Forschungsteams, das sich schon seit vielen Jahren mit den Gammastrahlenblitze (Gamma Ray Bursts - GRBs) befasst. Obschon das GRB-Phänomen eines der größten Rätsel der modernen Astrophysik ist, haben die bis zur Zeit ausgeführten Studien etwas Licht über die Natur dieser Energiequellen geworfen. Wissenschaftler ordnen die Gammablitze in zwei Hauptgruppen ein: kurze und lange Gammablitze. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf einen engen Zusammenhang zwischen den Gammablitzen und gewissen Supernovatypen.
Supernova 2006aj
Am 18. Februar 2006 wurde ein Gammastrahlenblitz
vom Satelliten Swift. Die Explosion
erfolgte wahrscheinlich vor einigen hundert
Millionen Jahren in einer sehr weit entfernten
Galaxie. Immerhin entstand dieser Gammablitz
relativ nahe zu uns im Vergleich zu anderen
beobachteten Blitzen und liefert uns ein Bild
über die Ausmaße dieser Ereignisse. Dieser GBR
entstand nur einige Tage vor einer anderen
Supernovaexplosion, die den Namen SN2006aj
erhielt, und emittierte zusätzlich auch
Röntgen-Strahlung.
Gorosabel's Team fürte die Beobachtungen Gorosabel's Team führte die Beobachtungen mit dem 2.2-m-Teleskop auf dem Calar Alto im Rahmen eines "Gelegenheitsziels" für das GBR-Programm von Alberto Castro-Tirado (IAA) durch. In diesem Projekt kamen auch das Nordic Optical Telescope auf der kanarischen Insel La Palma und das AZT-8 Teleskop auf der Krim (Ukraine) zum Einsatz. Die gesammelten Daten bestätigen die schon bekannte Verbindung zwischen langen Gammablitzen und gewissen Supernova-Typen. Die Auswertung dieser Daten brachte wichtige Erkenntnisse über die Prozesse, die beim Sterben massenreicher Sterne ablaufen. Polarisiertes Licht ist das maßgebende Element bei diesen Untersuchungen.
Polarisiertes Licht: asphärische Explosionen
Gorosabel meint: "Eine intuitive Art und Weise
unsere polarimetrische Beobachtungen zu
interpretieren ist die Annahme, dass die
Supernovae einer asphärischen Expansion
unterliegen". Mit anderen Worten, wir können
annehmen, dass der explodierende Stern Materie
und Strahlung in gewisse bevorzugte Richtungen
ausstrahlt.
Die ersten Supernova-Modelle waren sehr einfach
und gingen, wegen Mangel an Daten, von einer
sphärischen Symmetrie aus. Dank der exzellenten
polarimetrischen Eigenschaften von Instrumenten
wie CAFOS (am 2.2-m-Teleskop auf dem Calar
Alto), müssen nun die aktuelle Modelle neu
angepasst werden um die Komplexität dieses
Phänomens besser zu beschreiben. Die bei
mehreren Supernova-Explosionen beobachtete
asphärische Symmetrie zeigt, dass die Rotation
im Prozess der Erlöschung von Sternen eine
wichtige Rolle spielt. Die Rotationsachse sowie
die Rotationsgeschwindigkeit bestimmen
bevorzugte Richtungen, deren Einfluss auf die
Symmetrie der Explosion wichtige Prozesse des
Explosionsmechanismus steuert.
Beobachtet man stellare Explosionen aus einer
Entfernung von mehreren hundert Millionen
Lichtjahren, so erscheinen diese nur als ein
kleiner Lichtpunkt am Himmel. Dank modernster
Beobachtungsmethoden ist es gelungen, aus der
Strahlung dieser schwachen Lichtquellen wichtige
Daten abzuleiten. Diese haben zu einem besseren
Verständnis der Geometrie und der physikalischen
Mechanismen dieser Phänomene geführt, deren
Aktivität nur auf indirektem Weg beobachtet
werden kann.
Bild:
SN 2006aj mit CAFOS (485 kB). Das Instrument CAFOS, das am 2.2-m-Teleskop auf
dem Calar Alto montiert ist, erzeugt im
polarimetrischen Modus den sogenannten "Sterne
und Streifen"-Effekt. Die Aufnahme verdoppelt
sich. Die beiden Bilder entsprechen dem Licht
aus zwei aufeinander senkrecht stehenden
Polarisationsebenen. Das Doppelbild der
Supernova ist mit einem Pfeil markiert.
© Calar Alto Sternwarte, April 2007 Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
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